Drehpunkt Kultur 2007.05.07
So machen's eben nicht alleMozarts "Cosi fan tutte" entwickelt sich für die Opernschule der Universität Mozarteum zum Dauerbrenner. Nun gibt es für eine Aufführungsserie in Salzburg gar eine Kooperation mit dem Moskauer Tschaikowsky- Konservatorium. Von Reinhard Kriechbaum 15/06/07 2005 war diese Inszenierung von Mozarts Oper schon mal zu sehen, im Herbst des Mozartjahr 2006 gastierte man damit in der Schweiz, in Deutschland und Österreich - und nun also Aufführungen am 18., 19. und 20. Juni jeweils um 19 Uhr im Großen Studio.
"Das kann man 'armes Theater' nennen, aber der szenische Gesamteindruck ist ein erstaunlich reichhaltiger. Es ist erfrischend, in einer Zeit der ausgeklügelten Regiekonzepte und Bühnenbilder wieder einmal zu sehen, mit welch schlichten Mitteln man gutes Musiktheater machen kann." So lobte DrehPunktKultur-Kritiker Gottfried Franz Kasparek im Dezember 2005 die Opernschul-Premiere von "Cosi fan tutte" in der Regie von Hermann Keckeis.
Im Juni gibt es nun erstmals eine Kooperation zwischen Universität Mozarteum und Tschaikowsky-Konservatorium: 32 Moskauer Studenten von dort werden für die Aufführungen im Großen Studio das Orchester bilden. Für die jungen Russen ist das sicherlich eine eigenwillige Erfahrung, denn dem Leiter des "Mozart-Opern Institutes" an der Universität Mozarteum, Josef Wallnig, ist auch eine historische Sicht wichtig. Wallnig arbeitet eng mit Musikern wie dem Geiger Hiro Kurosaki oder dem Cellisten Howard Penny zusammen, beide ausgewiesene Fachleute auf dem Gebiet der Alten Musik.
Josef Wallnig war vor einigen Wochen in Moskau, begleitet von der Salzburger Geigerin Annelie Gahl, um mit den russischen Musikern intensiv zu proben. Stimmführer des Mozarteum Orchesters als Tutoren hatten die voraus geschickten Noten bereits mit den rechten Bogenstrich-Angaben versehen. Seit einer Woche nun probt das russische Orchester vor Ort. "Aufregend ist das Projekt auf jeden Fall", sagt Wallnig, der zwei Abende selbst dirigieren wird und am dritten den Taktstock an einen Studenten der Dirigierklasse Davies/Rotter weiterreicht, an den Spanier Carlos Chamorro.
Spartenübergreifende Zusammenarbeit, forschende Blicke in die Mozart-Zeit und die Konfrontation dieser historischen Sicht mit gegenwärtigen Aufführungsstilen - das ist die Idee für das im Februar 2006 an der Universität Mozarteum begründete "Mozart-Opern Institut".
"Es gehört alles dazu, was mit Backgroundwissen zusammenhängt", erklärt Josef Wallnig. Dirigenten, Sänger, Orchestermusiker haben in der Zusammenarbeit etwa mit Hiro Kurosaki und Howard Penny, aber auch in bisher fünfzehn Fachvorträgen zu den unterschiedlichsten Themen Dinge vermittelt bekommen, die sonst nicht so ohne weiteres für Studenten greifbar wären. "Auch hochschulfremde Hörer schätzen diese Vorträge, die im Vierzehntage-Rhythmus jeweils am Dienstag stattfinden, freut sich Josef Wallnig. Am 22. Juni wird die Sopranistin Angelika Kirchschlager in einem öffentlichen Kurs mit Mozarteums-Studentinnen
Mezzosopran-Arien von Mozart erarbeiten. Wie wird die Arbeit im "Mozart-Opern Institut" weitergehen? Josef Wallnig verweist auf die Zusammenarbeit mit den Wienern Margit Legler und Reinhold Kubik, die mit ihrer wissenschaftlichen Initiative "L'azione teatrale" die historische Erscheinungsform von Oper erforschen und rekonstruieren. "Diese Zusammenarbeit ist mir wichtig", erklärt Wallnig, denn "historische Aufführungspraxis auch im szenischen Bereich" werde immer wichtiger und bringe viele Erkenntnisse: "Man lernt, wie es gedacht war." Genau deshalb möchte Wallnig auch mit Opernproduktionen des "Mozart-Opern Instituts" in originalen Räumen der Epoche gastieren, beispielsweise in Gotha, in Schwetzingen oder im Markgräflichen Opernhaus zu Bayreuth. "Oder auch im Schlosstheater von Krumau (Tschechien), wo das Orchester einst mit dem Gesicht zur Bühne gespielt hat", sagt Wallnig.
Eines ist ihm dabei besonders wichtig: Erfahrung sammeln aus der ursprünglichen Aufführungssituation. Akustik und Raumgröße haben ja gewiss das Werk und seine Aufführungspraxis beeinflusst: "Es soll nicht so sein, das wir mit einer Produktion beispielsweise nach Gotha fahren. Es geht darum: Was lernt man, wenn man gerade dort 'Apollo und Hyacinth' macht?" |