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Salzburger Nachrichten
2007.06.23

Ein Opernstar kehrt zurück

 Angelika-kirchschlager

Bild-SN/ROBERT RATZER

Sie war Kuchenmädchen, Plattenverkäuferin und Schlagzeugerin. Heute ist Angelika Kirchschlager weltweit gefragte Sängerin.

THOMAS HÖDLMOSER

SALZBURG (SN). Wäre sie nicht mit einer wunderbaren Stimme gesegnet,würde Angelika Kirchschlager heute vielleicht bei den Wiener Philharmonikern trommeln und jedes Jahr vor einem Millionenpublikum den Radetzky-Marsch „einschlagen”. Ein Mitglied der Philharmoniker hatte Kirchschlager für dieses Instrument begeistert, als sie in ihrer Jugend im Musikhaus Katholnigg in Salzburg Schallplatten verkaufte.

Kirchschlager schaffte auch prompt die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Wien und studierte drei Jahre Schlagzeug. Letztlich interessierte sie sich aber doch mehr für ihre Stimme. Heute ist Kirchschlager eine der meistgefragten Mezzosopranistinnen.

Seit wenigen Tagen ist die 41-Jährige überdies „Kammersängerin” der Wiener Staatsoper und „Frau Professor” am Mozarteum. Dort wolle sie als Gastprofessorin künftig eine „Marktlücke füllen”, sagt Kirchschlager. „Ich möchte vermitteln, dass es auf mehr ankommt als nur auf das Singen. Man singt, um etwas zu sagen.”
 

Aufgewachsen ist Kirchschlager, deren Mutter im Chor sang und deren Vater malte, in Salzburg-Lehen. Sie sang früh in der Franziskanerkirche, wo sie als Chorsängerin auf die Studentin Barbara Bonney traf, die damals das Solo singen durfte.

Mit acht Jahren nahm sie erstmals Klavierunterricht am Mozarteum. Sie besuchte das Musische Gymnasium, studierte in Wien Schlagzeug und Gesang und verdiente das erste Geld als Sängerin in der Rolle der zweiten Dame in Mozarts Zauberflöte an der Wiener Kammeroper. „Wir sind damals auch fast jeden Tag zum Heurigen gegangen. Wenn wir dort gesungen haben, waren die Getränke gratis.”

Kirchschlager lernte aber auch die Welt außerhalb des Künstlerlebens kennen. So arbeitete sie Bestes geben und warten, was passiert.”
einmal als Kuchenmädchen in der Salzburger Konditorei Fürst. wenngleich sie lieber Kellnerin gewesen wäre, wie sie sagt. Der Grund: „Das Kuchenmädchen bekam kein Trinkgeld.”

Heute sind das nur mehr Anekdoten aus einer fernen Vergangenheit. Kirchschlager ist eine weltweit gefragte Künstlerin. Sie sang an der Metropolitan Opera New York, der Mailänder Scala, am Londoner Covent Garden und arbeitete mit praktisch allen wichtigen Dirigenten zusammen. Sie gilt – was bei Schauspielern und Sängern durchaus nicht selbstverständlich ist – als unkompliziert, als jemand, der trotz steiler Karriere keine Starallüren pflegt. Vom Society-Rummel, der alljährlich rund um die Salzburger Festspiele ausbricht, bekomme sie nichts mit, sagt Kirchschlager. „Wenn ich in Salzburg singe, fahre ich mit dem Auto in die Garage und gehe dann ins Festspielhaus. Der einzige Ort, wo ich hingehe, ist das ,Triangel'.”
 
(c) Mozart Opern Institut
2007-2010