- MOI 19, 20. November , 18.30 STUDIENKONZERTSAAL
Em. Univ. Prof. Dr. Dr. hc. Gottfried Scholz lehrt seit 1964 Musikanalytik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, deren Rektor und stellvertretende Rektor er Jahre lang war. Mit einem Bericht von Matthias Haid
Em. Univ. Prof. Dr. Dr. hc. Gottfried Scholz war 1779 – 1991 Präsident des Österreichischen Musikrates, ausgedehnte Lehrtätigkeit führte ihn unter anderem an die Universitäten von Bloomington/Indiana; Stanford/Kalifornien, Bankok, Leiden. Zahlreiche Monographien und Beiträge zu Musiktheorie, Analytik und Musikgeschichte belegen seinen außerordentlichen Ruf als Wissenschaftler. Prof. Scholz leitet das Institut für Musikanalytik an der Universität für Musik und darstellende Kunst, Wien. Bericht:
„Der Täter hat im Affekt gehandelt“, eine Aussage eines Anwaltes im Gerichtssaal, der dem Richter verdeutlichen will, dass der Täter aus einer bestimmten Emotion heraus die Tat begangen hat.
Mit dieser kleinen Anekdote führte Gottfried Scholz in seinen Vortrag über „Affekte in Mozarts Opern“ ein. Er wollte damit verdeutlichen, dass eine Handlung, die aus dem Affekt gemacht wird, aus dem Innersten heraus, ohne Überlegung, geschieht. Der an der Musikuniversität Wien lehrende Referent, kehrte nach diesem Zitat aus der Gegenwart in die Vergangenheit zurück, um die Wurzeln der Affektenlehre zu beschreiben und verwies dabei auf Platon und Aristoteles, die bereits die Grundaffekte Lust, Leid, Begierde und Furcht definierten. Des Weiteren wurde das Publikum durch die wichtigsten Stationen der Aufführungspraxis geführt, wo Scholz u.a. aus den Schriften von Quantz zitierte: „Ein Sänger soll die Affekte so durchführen, dass das Publikum den Affekt spürt“. Nach einigen Beispielen aus „La clemenza di Tito“ und „Cosi fan tutte“ ging er näher auf die erste Arie der Königin der Nacht aus „Die Zauberflöte“ ein. Scholz zeigte an Hand der Notenbeispiele, wie Mozart die zum Teil unterschiedlichen Gefühlszustände der Königin in musikalische Affekte verarbeitet hat. Zudem wurde die analytische Arbeit durch die praktische Ausführung der Sängerin Claudia Michele unterstützt, die sehr viel Beifall für ihre Interpretation erhielt.
Der Vortag von Gottfried Scholz war sehr strukturiert und leicht verständlich aufgebaut. Er verstand es, seine Begeisterung für die Affektenlehre auf die Zuhörer zu übertragen und erhielt dadurch vollste Aufmerksamkeit vom Publikum. Matthias Haid
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