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Don Giovanni in China Drucken E-Mail
SALZBURGER UNI-NACHRICHTEN
10. 10. 2009
THOMAS MANHART

75 Minuten Don Giovanni


Kooperation mit China: Studierende und Lehrende des Mozart-Opern-Institutes als „Kulturbotschafter“ beim internationalen Jugendfestival in Peking

Für Ruhm und Ehre – und die kulturelle Völkerverständigung – muss man bisweilen einige Entbehrungen in Kauf nehmen. Diese Erfahrung machte im Sommer auch eine hoch qualifizierte Künstlergruppe des Mozart- Opern-Instituts (MOI), die auf Einladung des chinesischen Kultusministeriums zum Internationalen Jugendfestival in Peking gereist war.
Vom „ehrenvollen“ Aspekt des Gastspiels weiß Josef Wallnig, Leiter des MOI und der Abteilung für Musiktheater an der Universität Mozarteum, zu berichten: „Zum Symposium und dem Festival waren nur zwei internationale Institutionen eingeladen – die gerade 800 Jahre alt gewordene Universität Cambridge und das Mozarteum. Hinzu kamen exklusive Treffen mit der Vizekulturministerin und dem Vizeaußenminister der Volksrepublik China.“
Ansonsten waren die Organisation sowie die Don-Giovanni-Aufführungen in Kooperation mit dem Orchester und Sängern des Opernhauses in Peking teils recht abenteuerlich.
„Eine große Schwierigkeit im Vergleich zu den opulenten Peking-Opernwar, dass wir fast keine Möglichkeiten für ein Bühnenbild hatten und sich die Darsteller auch nicht zehn Mal umziehen konnten, was sich das chinesische Publikum vielleicht erwartet hätte. Wir konnten nur die mozartsche Musik in Aktion setzen, aber das ist Regisseur Eike Gramss und dem Ensemble hervorragend gelungen.“
Dabei hatte es schon bei den ersten Kontakten mit dem Reich der Mitte einige Verwunderung unter den Salzburger Mozarteum- Verantwortlichen gegeben. „Die Vorgabe war, dass wir nicht länger als 75 Minuten Musikmachen dürfen, was natürlich für den Don Giovanni nicht ganz einfach ist“, schmunzelt Josef Wallnig, der von der einen oder anderen kulturellen Eigenheit der Chinesen überrascht wurde: „Um den Standesunterschied zu verdeutlichen, ließen wir Don Giovannis Diener Leporello in Dreiviertelhosen und seinen eigenen Sandalen auftreten. Ein Eklat.
Das private Schuhwerk auf der Bühne wurde als Beleidigung des Publikums empfunden.“ Nach vollzogenem Schuhwechsel bis zur zweiten Opernaufführung und erfolgreichen Konzerten mit Ausschnitten aus der Zauberflöte, Figaro und Don Giovanni in der Vier-Millionen-Stadt Wuhan waren aber auch die letzten kulturellen Missverständnisse ausgeräumt. Und Josef Wallnig zog doch noch eine positive Bilanz: „Man muss zwei Dinge trennen: die äußeren Bedingungen, über die man in China mit einer Art Krisenmanagement hinwegkommen muss, und die innere Freude, mit dem dortigen künstlerischen Potenzial so tolle Aufführungen machen zu können.“Weitere Mozarteum-Kooperationen, sowohl mit Peking als auch mit Wuhan, sind für die kommenden Jahre in Planung.
 
(c) Mozart Opern Institut
2007-2010