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SVZ Salzburger Volkszeitung
2006.08.28 

  Festspielgeadelte

Mozart 22/Große Universitätsaula:

Der Mozart-22-Reigen ist an seinem Startpunkt 1767 angekommen: Die Universität Mozarteum präsentierte „Apollo et Hyacinthus” sowie „Die Schuldigkeit des ersten Gebots” äußerst spritzig.

Der Reigen ist geschlossen: Sämtliche Neuproduktionen des Festspielprojektes „Mozart 22” sind auf die Bühnen gebracht. Zum Abschluss gab es am Frei­tagabend in der Großen Aula die zwei allerfrühesten Bühnenwer­ke Mozarts zu erleben – in einer historisierend-amüsanten Insze­nierung von John Dew.

 

Gerade einmal elf Jahre alt war Mozart, als er das Singspiel „Die Schuldigkeit des ersten Gebots” schrieb. Zwei Monate späterver­tonte er einen lateinischen Text für sein Schuldrama „Apollo et Hyacinthus”, und der Reigen der 22 begann sich zu drehen. Für die Festspiele schloss sich damit der Kreis und belegte nicht nur die organisatorische Großtat, sondern auch, dass es von Mo-zart keine uninteressante Musik gibt. Unfassbar, welch spritzige Arien er aufs Papier brachte. Da braucht es eine entschlossene Regie-Idee, frisches Musizieren und gute Sänger, die einen Triller singen und liedhaften Schwung an den Tag legen. Und der fest-spielgeadelte Hochschulabend hatte viel von allem.

Apollo, Hyacinthus, der gemeine Zephyrus oder die schöne Melia stolzierten in aufgedonnerten, Barockkostümen über die von Heinz Balthes entworfene Papp­maschee-Bühne in jener Aula, in der das Stück 1767 auch uraufge­führt worden war. Der Puder staubt, die Perücke zwickt, und das Korsett hebt das Dekolleté mit einem Augenzwinkern. In der „Schuldigkeit”, dem Jesui­tenspiel über den rechten Weg des Lebens, hat sich Dew für die Klamotte entschieden. Salzburg-Panorama, ein kulissenfressender Löwe, eine Barmherzigkeit, die sich den Rauschebart rauft und

Sopran singt und knallrote Teu­felchen waren im Dauereinsatz, amüsierten – und ermüdeten schließlich nur, weil das Spekta­kel zu lang war.

Dass die Aula also nicht in histo­rischem Theaterschlaf versank, lag nicht zuletzt an den Musikern – Josef Wallnig und sein Hoch­schulorchester haben lang und gut gearbeitet. Akzentuiert, frisch und blitzsauber stürzen sich die Studenten in die gar nicht so leichte Partitur. Auch für die gar nicht so leichten Kolora­turen hat das Mozarteum gute Leute aus eigenem Stall zusam­mengetrommelt. Christiane Karg überzeugte mit ausgeglichenem und technisch reifem Sopran. Jekaterina Tretjakova brachte kontrollierte Energie mit in den Hyacinthus. Bernhard Berchtold gab einen voluminösen Christ-geist, und auch Peter Sonn ist ein vielversprechender Tenor.

Unterm Strich bleibt ein amüsan­ter Abend und zwei Stücke, die zukünftig höchstens von Musik­hochschulen aus der Versenkung geholt werden

 
(c) Mozart Opern Institut
2007-2010