drehpunktkultur_Apollo Festspiele 2006.08.28
MOZART 22/20: „APOLLO ET HYACINTHUS“
Geht alles wie am Schnürchen
Mozarts allererste Oper: "Apollo et Hyacinthus", das Werk des Elfjährigen, in Art einer Marionettenoper. Respekt vor der musikalischen Geschlossenheit!
Von Reinhard Kriechbaum
27/8/06 Nicht einmal als Gott ist man vor Mobbing gefeit: Apollo hat um die Hand der hübschen Königstochter Melia angehalten, der eifersüchtige Zephirus ist sauer, dass Apollo kultisch verehrt wird und ermordet den Königssohn Hyacinthus. Diese Tat schiebt er Apollo in die Schuhe. Es bedarf einiger Rezitative und Arien, bis die Sache geklärt, Apollo wieder günstig gestimmt, der Mörder in einen Wind und der Tote in eine Blume verwandelt ist.
Ein hübsches kleines Stück Oper, das bestätigt, was Nikolaus Harnoncourt einmal über das Kind Mozart gesagt hat: Er sei nie zehn Jahre alt gewesen. Elf natürlich auch nicht. „Apollo et Hyacinthus“ lebt von der kraftvollen melodischen Erfindung, von den virtuosen Ansprüchen an die Sänger – und ein vorletztes Mal im Gesamtprojekt „Mozart 22“ der Festspiele kann man sich darüber wundern, wie intuitiv sicher der erst elfjährige Mozart Stimmungen erfasst und ausgemalt hat. Wenn Oebalus (der Vater des Getöteten) und Melia den Tod des Hyacinthus und die Abkehr des Gottes beklagen, verblüfft der wahrhaftige, reife Ton eindrücklicher, leiser Trauer.
<!--[if !vml]--> <!--[endif]-->Regisseur John Dew hat die Theater-Gegebenheiten Salzburgs in der Mozart-Zeit ernst genommen (schließlich sind in Bilddokumenten die Dekorationen der Großen Aula überliefert). John Dew arrangiert in den bunt bemalten Barock-Prospekten (Bühne: Heinz Balthes) eine Art fädenloses Marionettenspiel. Wie plane Figuren bewegen sich die Handelnden in ihren weit ausgreifenden Kostümen (José Manuel Vázquez). Wer auf der Bühne ist und gerade nichts zu tun hat, wirkt wie „weggehängt“.
Das ist ein guter, so stimmiger wie szenisch unaufdringlicher Zugang zu einem Stück, das in dieser historisierenden Inszenierung wohl am allerbesten aufgehoben ist. Keine Übertitel, also gleich auch ein Latein-Crashkurs für jene, die nicht im Programmbuch mitlesen: "Apollo et Hyacinthus" ist schließlich die einzige Oper auf Latein, die Mozart geschrieben hat.
Doppelt nachdrücklich wirkt die Musik, und zwar auf der Bühne wie im Orchestergraben: Das Orchester der Universität Mozarteum ist im Vorfeld aufführungspraktisch gut gebrieft worden (zum Beispiel vom Barockgeiger Hiro Kurosaki). Josef Wallnig kann also auf einem hohen Grad der Informiertheit aufbauen, die Musik nach Kräften zum „Sprechen“ bringen.
<!--[if !vml]--> <!--[endif]-->Alle Sänger sind Absolventen der Opernklasse des Mozarteums, die besten und vor allem stil-tauglichsten Absolventen der letzten fünf, sechs Jahre: Da hat man größte Aufmerksamkeit ins „Casting“ investiert. Eine koloraturengeeichte Sopranistin wie Jekaterina Tretjakova (Hyacinthus), ein ebenmäßiger, kräftiger und doch nie „orgelnder“ Alt wie jener von Anja Schlosser (Apollo), die lyrisch sich entfaltende Christiane Karg (Melia), der weich geführte Tenor von Maximilian Kiener (Oebalus), schließlich Astrid Monika Hofer als Zephyrus (die Bösewichter sind ja immer dankbare Rollen) und Norbert Steidl als Opferpriester bilden ein Ensemble, das untereinander wie auf den Raum bestens abgestimmt wirkt. Nicht jede Jugendoper hat in den vergangenen fünf Wochen eine so runde Interpretation erlebt. |